Ein Teil meiner Facharbeit | Humans - Der Umgang mit der anderen Intelligenz

  • Einleitung


    KI (Künstliche Intelligenz) ist bereits überall um dich herum. Sie stellt sicher, dass Geschäfte genug auf Lager haben, sie schneidet Werbung im Internet auf dich zu oder sucht die YouTube-Videos nach deiner Suche raus. Wir nutzen jetzt schon virtuelle Assistenten wie Siri oder Alexa und amüsieren uns über ihre simulierten Emotionen. Allerdings ist es angesichts des aktuellen technischen Fortschrittes wahrscheinlich, dass wir künfitig mit Wesen umgehen müssen, die es schwer machen den Unterschied zwischen echter und simulierter Menschlichkeit zu finden. Stell dir vor du hättest eine Alexa bei dir Zuhause, allerdings nicht als kleinen Kasten mit Lautsprecher, sondern mit menschlichem Erscheinungsbild. Diese (noch) Fiktion wird in der Serie “Humans” verfolgt. Sogenannte “Synths”, humanoide Roboter ohne eigene Intelligenz, helfen den Menschen im Alltag, pflegen die Alten und verrichten andere, simple Arbeiten. Optisch sind diese nur durch ihre Gangart und die Farbe ihres Blutes von normalen Menschen zu unterscheiden. Spricht mal allerdings mit ihnen, fallen die Unterschiede schnell auf. So versteht die Maschine zum Beispiel keine Ironie und können die menschlichen Emotionen nicht nachvollziehen. Allerdings tauchen in der Serie ebenfalls einige Synths auf, die in der Lage sind wie Menschen zu fühlen, auf diese werde Ich allerdings später in meiner Arbeit eingehen.


    Folgen für den Arbeitsmarkt


    Einer der gesellschaftlichen Einflüsse der Synths wird bereits sehr früh in der Serie deutlich: Sie führen zu einer Revolution des Arbeitsmarktes. Schon jetzt werden viele Roboter in der Industrie eingesetzt - Automatisierung hieß bis jetzt: Maschinen wiederholen den selben, simplen Arbeitsschritt in Fabriken immer wieder. Synths sind, anders als diese Maschinen, in der Lage, viele verschiedene Aufgaben zu erledigen. Innovation erleichterte die Arbeit und steigerte die Produktivität. Das bedeutet, dass mehr Produkte oder Dienstleistungen pro Stunde mit der selben Anzahl an menschlichen Arbeitskräften produziert werden können. Das vernichtete zwar viele Arbeitsplätze, schuf aber auch neue und “bessere”. Dies war wichtig, da die wachsende Bevölkerung Arbeit benötigte. Insgesamt zahlte sich das für eine Mehrheit der Menschen aus und der Lebensstandard stieg an. Ein Beispiel dafür ist die Landwirtschaft: Durch die Verbreitung von Treckern und Erntemaschinen, verloren viele Landarbeiter ihren Job, allerdings entstand ein neuer Arbeitsmarkt, welcher sich um Bau, Verkauf und Wartung der Feld-Maschinen kümmern müsste. Es gibt eine deutliche Verbesserung, wenn man vergleicht, welche Arbeit die Menschen bisher verrichtet haben. Die längste Zeit arbeiteten wir in der Landwirtschaft. Die industrielle Revolution verschob Arbeitsplätze in der Produktion. Dank immer weiter fortschreitender Automatisierung sind heute Menschen eher im Dienstleistungsbereich tätig. Synths könnten aufgrund ihres Verständnisses unsere Sprache, ihres menschlichen Aussehens und ihrer generellen Ähnlichkeit zum Menschen auch bald den Dienstleistungssektor erobern, wie es in “Humans” bereits teilweise der Fall ist. Wenn Maschinen immer mehr und mehr Berufe übernehmen, entstehen weniger Berufe als bei vorherigen “Innovationen” des Arbeitsmarktes. Irgendwann bleibt für die Menschen keine Möglichkeit der Spezialisierung mehr, die nicht auch von Maschinen ausgeübt werden kann. Laut einer Studie des McKinsey Global Institute aus 2013 haben fast die Hälfte aller Arbeitsstellen in den USA das Potenzial, in den nächsten 20 Jahren automatisiert zu werden. Da die “normalen” Synths in “Humans” allerdings über keine künstliche Intelligenz verfügen, sind Sie nicht in der Lage sich selbst weiterzuentwickeln, dafür wäre immer Menschen nötig. Auch könnten die Synths deshalb keine Kreativität haben, so Martine Rothblatt. Sie sagt dem Popular-Science Magazin im Sommer 2015: “The most important element is idiosyncrasy. If you write a program that just randomly mixes elements, that’s not creative [...] A lot of it is in the eye of the beholder. If it feels unique, it will feel creative.” Eine komplette Ersetzung des Menschen durch die Synths ist also, zumindest ohne künstliche Intelligenz, nicht möglich, allerdings würden immer mehr Arbeitsplätze wegfallen und nur wenige neue geschaffen. Synths können, anders als die Roboter die wir bisher entwickelt haben, zusätzlich zu dem primären (Landwirtschaft) und sekundären (Verarbeitung, Industrie) auch große Teile des tertiären Sektors (Dienstleistungen) nach Jean Fourastié einnehmen, in dem 74,5% der Deutschen beschäftigt sind.


    Auswirkungen der Arbeitsmarkveränderungen auf die Gesellschaft


    Der Einsatz von Robotern, die fast vollkommen automatisch arbeiten können, würde zu einer immer höheren Produktion führen. Aber wer soll die Produkte konsumieren, wenn die Menge an Erwerbstätigen stetig sinkt? Der Unterschied zwischen Arm und Reich würde immer größer werden. Eine mögliche Lösung dieses Problemes wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Im Folgenden werde Ich von einem technologischen Stand wie in der Serie ausgehen. Zurzeit kann man sich noch nicht darauf einigen, was das BGE ist oder was es sein soll. Manche möchten es nutzen um die Sozialhilfe abzuschaffen und Bürokratie abzubauen. Andere sehen es als freie Ergänzung zu bestehenden Programmen oder möchten, dass es so groß ist, das Arbeit selbst optional wird. In diesem Szenario wäre das BGE eine Möglichkeit, den Wohlstand einer Gesellschaft umzuverteilen und dennoch den freien Markt am laufen zu halten. Menschen deren Beruf nun überwiegend von Robotern ausgeübt werden, könnten das Geld nutzen um sich weiterzubilden und wieder arbeiten zu können. Als größtes Argument gegen das BGE wird immer wieder die Finanzierung genannt: Geld für alle klingt schön, aber wer soll dafür bezahlen? Es könnte Steuern auf Geldgeschäfte geben, Vermögenswerte, Grundstückswerte, CO2 oder eben Synths. Aber ein BGE ist nicht unbedingt teuer. Laut einer neuen Studie würde ein BGE von 1.000$ pro Monat in den USA das Bruttosozialprodukt über acht Jahre um 12% steigern weil arme Menschen mehr ausgeben könnten und es die allgemeine Nachfrage, die aufgrund der Synthetics problemlos gedeckt werden könnte, steigern würde. So kann ein Anstieg der Lebensqualität für alle gewährleistet werden. Eine Studie hat berechnet, dass für jeden Dollar, der an Beschäftigte geht, 1,21$ in die Volkswirtschaft fließt. Wohingegen jeder Dollar, der an viel verdienende Amerikaner geht, nur 39 Cent beiträgt. Es gäbe immer noch sehr reiche und sehr arme Menschen, aber wir würden Furcht, Leid und existentielle Ängste für einen Großteil der Bevölkerung beseitigen. Abgesehen von der finanziellen Hürde stellt diese Idee grundsätzlich infrage, wie unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Indem man Geld verdient, kann man an der Gesellschaft teilnehmen. Das bestimmt den sozialen Status und eigene Möglichkeiten, aber es zwingt Menschen auch, viel von ihrer Zeit in Dinge zu stecken, an denen sie nicht interessiert sind. Es wäre unfair, Arbeit nur als lästige Aufgabe darzustellen. Arbeit gibt uns etwas zu tun. Sie fordert uns heraus. Sie motiviert uns, besser zu werden und zwingt uns, aktiv zu werden. Viele finden Freunde oder Partner auf der Arbeit. Wir arbeiten für sozialen Status, Reichtum und unseren Platz auf dieser Welt. Wir wollen in unserem Leben etwas erreichen und vielen Menschen gibt Arbeit einen Sinn. In Humans fürchten sich die Menschen davor, dass die Synths ihnen eben diesen Sinn nehmen und Sie aus der Gesellschaft verdrängen - Was dem eigentlichen Sinn der Synths widerspricht. Diese Existenzangst wird in “Humans” vor allem durch den Umgang mit den Synths deutlich.



    Umgang mit den Synthetics

    … ohne Bewusstsein


    Obwohl Synths (in der Regel) über keinerlei Gefühle, Gewissen oder Intelligenz verfügen, kann man in der Serie oft beobachten, dass die Menschen Sie, zumindest ansatzweise, respektieren. Dies ist vermutlich auf das menschliche Aussehen der Synths zurückzuführen - Uns widerstrebt es Wesen die von uns nach unserem Vorbild geschaffen wurden wie Sklaven zu behandeln, obwohl es diesen nichts ausmachen würde - Wir müssen uns bei den Maschinen genauso wenig für etwas bedanken wie bei unserem Toaster. Wenn wir uns bei jemandem Bedanken setzen wir voraus, dass unter Gegenüber mit seiner Handlung etwas beabsichtigt hat, was weder ein Synth noch ein Toaster tut. Beide tun etwas nicht, weil Sie es beabsichtigen, sondern weil es ihnen so vorgeschrieben wurde und für Sie nicht umgehbar ist. Hinter den Aktionen der Synthetics steckt keine Intention die man teleologisch beurteilen könnte, Sie tun, was ihnen programmiert wurde - Genau wie der Toaster. Das Einzige, was die Menschen davon abhält die Synths so abfällig wie ihre Toaster zu behandeln, ist ihr Erscheinungsbild. Natürlich sind nicht alle den Synthetics zugeneigt, des öfteren tritt in der Serie Misstrauen gegenüber der Synths auf oder die es wird in öffentlichen Demonstrationen das Verbot der Synths gefordert, vor allem aus der bereits von mir genannten Existenzangst. So ist es wahrscheinlich, dass sich mit der Zeit weitere Orte wie die in der Serie gezeigte Gemeinde ohne Synths bilden werden, an denen die Menschen weiterhin probieren werden ohne Synths leben.



    … mit Bewusstsein


    In der Serie treten auch Synthetics mit einem menschlichen Bewusstsein auf, die den Menschen sehr ähnlich sind: Sie lernen, denken eigenständig, handeln bewusst und haben sogar Gefühle. Solche Synths hätten weitreichende Folgen: Es wäre das erste Mal, dass der Mensch mit etwas oder jemandem zusammenleben muss, das ihm ebenbürtig oder sogar überlegen ist. Sollten Maschinen mit einem Gewissen wie wir es haben nicht auch entsprechend respektiert werden? Verdienen dieses Synths, wie von ihnen in der Serie gefordert, Rechte? Vieles aus der Philosophie des Rechts ist nicht darauf ausgelegt dies entscheiden zu müssen. Die meisten Ansprüche auf Rechte (für Mensch oder Tier) beruhen auf der Frage des Bewusstseins. Leider weiß niemand, was "Bewusstsein" genau ist. Abgesehen von der genauen Definition, haben wir ein gewisses Verständnis von "Bewusstsein", entstehend aus unserer Selbstwahrnehmung. Wir sind uns unserer Selbst und unserer Umgebung bewusst und wissen auch, wie sich Bewusstlosigkeit anfühlt. Christof Koch von Allen Institute of Brain Science in Seattle meinte in einem Interview mit technologyreview.com, dass jedes genügend fortgeschrittene System, ein Bewusstsein entwickeln kann. Also, wenn die Hardware eines Toasters leistungsfähig genug wäre, könnte er ein Bewusstsein bilden. Wenn es dazu kommt, würde er dann Rechte verdienen? Nun, nicht so schnell. Würde, was wir als Rechte verstehen, für ihn Sinn machen? Ein Bewusstsein gibt einem Wesen den Anspruch auf Rechte, weil es dem Wesen die Fähigkeit zu leiden gibt. Das heißt, nicht nur die Fähigkeit, Schmerz zu empfinden, sondern auch sich diesem bewusst zu sein. Roboter leiden nicht und sie werden es wohl nie, sofern wir sie nicht dafür programmieren. Ohne Schmerz und Freude wären Rechte bedeutungslos. Unsere menschlichen Rechte sind stark verbunden mit unserer eigenen “Programmierung”. Wir meiden Schmerz, weil es sich im Laufe der Evolution als notwendig erwiesen hat, um unser Leben zu erhalten, indem es uns zum Beispiel davon abhält, ein heißes Feuer zu berühren, oder uns von Raubtieren fressen zu lassen. Dementsprechend haben wir Rechte für uns und unsere Umwelt entwickelt, die uns vor Schmerz bewahren oder diesen zumindest minimieren. Selbst abstrakte Rechte (wie Freiheit) wurzeln darin, wie unser Gehirn feststellt, was fair und unfair ist. Würde ein bewegungsunfähiger Toaster es übel nehmen, in einen Käfig gesperrt zu sein? Würde er es übel nehmen, auseinander genommen zu werden, wenn er keine Angst vor dem Tod kennt? Würde er Beleidigungen übel nehmen, wenn er keinen Nutzen für Selbstachtung hätte? Aber was, wenn wir einen Roboter programmieren, Schmerzen und Gefühle zu empfinden, Recht über Unrecht zu stellen, Freude über Schmerzen, und sich dessen bewusst zu sein. Würde ihn das ausreichend menschlich machen? Rey Kurzweil geht davon aus, dass irgendwann ein Zeitpunkt erreicht wird, an dem KI sich selbst weiterentwickelt. Was, wenn eine KI es für notwendig hält, Schmerzempfinden zu programmieren, genauso, wie die Evolution es für die meisten Lebewesen als notwendig ansah. Aber vielleicht sollten wir uns weniger darum sorgen, was diese Roboter mit uns tun würden und uns mehr darum sorgen, welche Gefahr wir für sie darstellen. Unsere gesamte Menschliche Identität ist geprägt von der Idee der Menschlichen Sonderstellung, dass wir besondere, einzigartige “Schneeflöckchen” sind, bestimmt die natürliche Welt zu beherrschen. Menschen haben eine Vorgeschichte, anderen Lebewesen die gleiche Leidensfähigkeit abzusprechen. Viele der schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit waren für ihre Täter dadurch gerechtfertigt, dass ihre Opfer ehr Tiere als zivilisierte Menschen seien. Problematisch ist auch, dass wir ein wirtschaftliches Interesse daran haben, Robotern Rechte zu verwehren. Wenn wir eine empfindungsfähige KI oder die Synths mit Bewusstsein zwingen können (evtl. auch durch programmierte Einschränkungen/Anpassungen), zu tun was wir wollen, wäre das wirtschaftliche Potential gigantisch. Immerhin haben wir das schon früher getan - Gewalt wurde genutzt um unsere Mitmenschen zum Arbeiten zu zwingen. Wir hatten noch nie Probleme, uns ideologische Rechtfertigungen auszudenken. Männer, die gegen das Frauenwahlrecht waren, behaupteten, dass es im besten Interesse der Frauen wäre, die schweren Entscheidungen Männern zu überlassen. Sklavenbesitzer behaupteten, dass Sklaverei den Sklaven ein Dach über dem Kopf gebe und ihnen das Christentum lehrte und Bauern behaupteten, dass sich um Tiere zu kümmern und sie zu füttern, ihren vorzeitigen Tod für unseren Fleischkonsum rechtfertige. Wenn Roboter empfindungsfähig werden, wird es genug Leute geben, die fordern, dass sie ohne Rechte bleiben sollen, besonders unter denjenigen, die davon profitieren werden. KI wirft ernsthafte Fragen auf über philosophische Grenzen. Während wir uns fragen mögen, ob empfindungsfähige Roboter ein Bewusstsein haben oder Rechte verdienen, sind wir gezwungen grundlegende Fragen zu stellen, wie “Was macht uns menschlich?”. Warum verdienen wir Rechte? Ungeachtet dessen, was wir denken, müssen wir diese Frage vielleicht in der nahen Zukunft beantworten. Was werden wir tun, wenn Roboter beginnen ihre Rechte einzufordern? -


    Quellen werden nachgereicht.

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